Die Eröffnung des Museums Lothar Fischer am 19. Juni 2004 war begleitet
von tiefer Trauer um den vier Tage zuvor verstorbenen Stifter, aber
auch von Skepsis im Hinblick auf seine Entwicklungschancen im
Windschatten der Metropolen Nürnberg und Regensburg. Heute kann das
Museum Lothar Fischer auf fünf erfolgreiche Jahre zurückblicken.
Es hat
sich sogar zu einem der wichtigsten kulturellen Markenzeichen der Stadt
entwickelt. Diese Leistung würdigt nun eine Schenkung der Familie Otto
van de Loo an die Lothar & Christel Fischer Stiftung.
Der Münchner Galerist und Sammler Otto van de Loo stand seit
Galeriegründung 1957 bis zur Übernahme des Kunsthandels durch seine
Tochter Marie-José van de Loo im Jahr 1998 in enger freundschaftlicher
Verbindung zu den Mitgliedern der anerkannten Künstlergruppe SPUR
(1957-1965). Ihr gehörten Lothar Fischer, Heimrad Prem, Helmut Sturm
und HP Zimmer an. Van de Loo bot der Münchner Künstlergruppe damals
nicht nur ein wichtiges Ausstellungsforum, sondern er unterstützte sie
auch durch Ankäufe und Aufträge. Wichtige Werke seiner Sammlung gingen
u. a. als Schenkung 1991 an die Neue Nationalgalerie Berlin, 1993 an
das Dresdner Kupferstichkabinett und 1997 an die Kunsthalle in Emden.
Im Jahr 1964 beauftragte er Lothar Fischer (1933-2004), der ihn
öfters in seinem Haus am Walchensee besuchte, eine Skulptur für den
Freiraum zu schaffen. Humpty-Dumpty sits on a horse hat die Familie van
de Loo dort nun über 40 Jahre begleitet und erfreut.
Anlässlich des 5jährigen Bestehens erhält das Stiftermuseum nun
diese prächtige Skulptur als Schenkung. Sie ist nicht nur als eine
Anerkennung an die Leistungen des Künstlers der Galerie van de Loo zu
verstehen, sondern gilt auch als Würdigung an das noch junge Museum in
Neumarkt.
Humpty-Dumpty sits on a horse ist eine der wenigen Steinarbeiten,
die der Bildhauer geschaffen hat und zählt neben dem bedeutenden
Wagenlenkerrelief von 1962, das sich heute im Foyer des
Ausstellungshauses in Neumarkt befindet, zu den Hauptwerken der
SPUR-Zeit. Mit dem Werktitel bezieht sich Fischer auf die erste Zeile
des alten englischen Kinderreims Humpty Dumpty sat on a wall. Humpty
Dumpty ist hier eine kleine, dickliche oder eiförmige Person, die auch
zerbrechlich ist und sich schwer reparieren lässt. Bekannt ist er als
Figur von Lewis Carroll, der ihn in Alice hinter den Spiegeln (1871),
eine Fortsetzung von Alice im Wunderland, auftreten lässt. Humorvoll
verleiht Fischer seinem Humpty-Dumpty-Reiter vom Walchensee einen
deutlich erkennbaren eierförmigen Kopf.
Das Thema Ross und Reiter hat den Künstler zeitlebens beschäftigt,
zuletzt in der Brunnenanlage Drei Reiter, die 2002 auf dem
Residenzplatz in unmittelbarer Nähe des Museums installiert wurde. Nach
der offiziellen Übergabe der Schenkung am 5. Juli 2009 wird die
überlebensgroße Skulptur Humpty-Dumpty sits on a horse am Treppenturm
des Museums dauerhaft zu sehen sein.
Bild: Lothar Fischer - Humpty-Dumpty sits on a horse, 1964/1965
Stein, 255 x 190 x 40 cm, WV Dornacher 307, VG Bild-Kunst Bonn
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