Im 3. Quartal 2008 hat sich die weltwirtschaftliche Abkühlung auch auf
den Pfleiderer-Konzern ausgewirkt. Trotz des schwieriger werdenden
Umfeldes hat sich das MDAX-Unternehmen, ISIN DE0006764749, aber gut
behauptet. So ist der kumulierte Konzernumsatz nach drei Quartalen 2008
um 1% auf 1.353,3 (9M/2007: 1.340,9) Mio. Euro gestiegen.
Wachstumstreiber waren zum einen die Übernahme von Pergo, die in der
Vergleichsperiode des Vorjahres nur mit sieben Monaten im Umsatz
wirkte, sowie das zum 1. August 2008 erworbene Werk in Moncure/USA.
Darüber hinaus trugen das neue MDF-Werk in Grajewo/Polen sowie
Produktivitätssteigerungen zum Wachstum bei. Gegenläufig wirkte die
Abschaltung des Werks in La Baie/Kanada, wodurch der Umsatz trotz der
teilweisen Bedienung dieser Kunden über das Werk in Mont Laurier/Kanada
um 30,7 Mio. Euro zurückging. Wechselkursveränderungen kosteten
Pfleiderer im Berichtszeitraum rund vier Mio. Euro Umsatz. „Die Finanzmarktkrise hat im 3. Quartal deutliche Spuren in der
Weltkonjunktur hinterlassen und die Aussichten sind wenig erbaulich.
Daher werden wir unseren Wachstumskurs vorläufig zugunsten eines in
allen Bereichen und Regionen durchzuführenden strikten Kosten- und
Risikomanagements zurückstellen. Die Pfleiderer AG ist als eines der
führenden Unternehmen mit Blick auf Kosten und Technologie sowie auch
aufgrund seiner soliden Finanzstruktur sehr gut aufgestellt, um die
Herausforderungen der kommenden Monate anzugehen. Ich sehe gute
Chancen, dass wir uns von unserem Wettbewerb weiter positiv abgrenzen
und absetzen können. Auch aus der letzten Konjunkturkrise sind wir
deutlich gestärkt hervorgegangen“, kommentiert Hans H. Overdiek,
Vorstandsvorsitzender der Pfleiderer AG, die aktuelle
Geschäftsentwicklung.
EBITDA mit 180 Mio. Euro nahezu auf Vorjahresniveau
Aufgrund des überproportionalen Anstiegs der Rohstoffkosten ging das
EBITDA im Vorjahresvergleich leicht von 183,9 Mio. Euro auf 179,7 Mio.
Euro zurück. Das EBIT wurde in den ersten drei Quartalen 2008 durch
höhere Abschreibungen aufgrund des Kapazitätsausbaus und die
antizipierten Aufwendungen für die Werksverlagerung La Baie in Höhe von
9,8 Mio. Euro belastet. Das EBIT ging daher von 102,7 Mio. Euro auf
87,4 Mio. Euro zurück. Das Finanzergebnis verschlechterte sich leicht
von -34,1 Mio. Euro auf -36,2 Mio. Euro. Das Ergebnis der
fortzuführenden Aktivitäten vor Steuern in Höhe von 51,0 Mio. Euro
unterlag in den ersten drei Quartalen einer Steuerquote von 36,2%,
verglichen mit 29,8% im Vorjahr. Dieser Anstieg ist im Wesentlichen
dadurch verursacht, dass ein Teil der Verlustvorträge infolge der
Erhöhung des Anteils des Großaktionärs One Equity Partners auf 26,9% im
3. Quartal wegfielen. Nach Ergebnisanteilen anderer Gesellschafter und
der Hybridkapitalgeber verblieb den Pfleiderer-Aktionären ein
Nachsteuergewinn von 16,5 (9M/2007: 29,2) Mio. Euro. Das ergibt ein
Ergebnis je Aktie (verwässert) von 32 Cent gegenüber 57 Cent im Vorjahr.
Segmente mit unterschiedlicher Geschäftsentwicklung Konjunkturabschwung macht sich im 3. Quartal auch in Westeuropa bemerkbar
Der Umsatz in der Region Westeuropa wuchs in den ersten neun Monaten
des Jahres um 1% auf 749,4 Mio. Euro. Da Pergo erst ab dem 1. März 2007
konsolidiert wurde, basierte das Umsatzplus nach neun Monaten auf dem
zusätzlichen Umsatzbeitrag von Flooring Europe in den ersten zwei
Monaten des Jahres. Im Jahresverlauf war ein zunehmender Preisdruck auf
Rohspan- und HDF/MDF-Platten zu verzeichnen, der aus der schwachen
Nachfrage im Bereich Fußboden resultierte. Die Preise für HPL und
beschichtete Platten konnten sich hingegen gut behaupten. Die
konjunkturelle Abkühlung machte sich ab dem 3. Quartal 2008 auch in
dieser Region zunehmend bemerkbar, sodass der Quartalsumsatz in
Westeuropa um rund 17,0 Mio. Euro auf 233,4 Mio. Euro nachgab.
Durch kontinuierliche Fertigungsoptimierung und Rationalisierungen
innerhalb des Programms „Future BC West“ wurde die Kostensituation
weiter verbessert. Das EBITDA konnte im Vorjahresvergleich
überproportional um 9,0% auf 126,3 Mio. Euro gesteigert werden. Damit
verbesserte sich die EBITDA-Marge in den ersten drei Quartalen des
Jahres von 15,6% auf 16,9%. Im 3. Quartal nahm sie jedoch leicht von
16,5% auf 16,0% ab.
Osteuropa mit kräftigem Umsatzwachstum
In den ersten neun Monaten des Jahres 2008 wich die Marktlage in
Osteuropa signifikant von jener des Vorjahres ab. Während sich in
Russland das Umsatzwachstum – bei gegenüber dem Vorjahr gestiegenen
Margen – fortsetzt, litt die Nachfrage der Kunden in Polen unter dem
starken Zloty. Die Produktion der stark vom Export abhängigen
polnischen Möbelindustrie ging in den ersten neun Monaten 2008 um ca.
15,0% gegenüber dem Vorjahr zurück. Aufgrund gestiegener Kapazitäten in
der Region sind auch die Preise für Span- und MDF-Platten unter Druck
geraten. Trotz dieses Gegenwinds konnte der Umsatz in der Region im
Vorjahresvergleich um 13,5% auf 318,6 Mio. Euro gesteigert werden. Dazu
haben das neue MDF-Werk in Grajewo, Wechselkurse sowie der
Kapazitätsausbau bei beschichteten und unbeschichteten Spanplatten in
Russland beigetragen.
Das EBITDA sank gegenüber der Vergleichsperiode im Vorjahr von 51,3
Mio. Euro auf 43,1 Mio. Euro. Das entspricht einem Rückgang der
EBITDA-Marge von 18,3% auf 13,5%. Vor allem stark gestiegene
Rohstoffkosten sowie sinkende Absatzpreise in Polen haben die Marge
unter Druck gesetzt. Um dem Kosten- und Preisdruck zu begegnen, wurde
ein umfangreiches Kostensenkungsprogramm in Höhe von 27,0 Mio. Euro
gestartet. Wie bereits am Mittwoch letzter Woche bekannt gegeben wurde,
verzögert sich der Bau des neuen MDF/HDF-Werks in Novgorod. Die
Pfleiderer AG hat gegenüber den Maschinenlieferanten von vertraglich
fixierten Unterbrechungsklauseln Gebrauch gemacht. Zurzeit kann die
Verzögerung mit rund sechs Monaten veranschlagt werden.
Neuer Standort Nordamerika
Die Folgen der US-Immobilienkrise haben das Geschäft in der Region
Nordamerika in den ersten neun Monaten 2008 weiter deutlich negativ
beeinflusst. Der Umsatz ging gegenüber der Vorjahresperiode um 7,0% auf
311,2 Mio. Euro zurück. Der Umsatzrückgang beruht zum einen auf
Umsatzausfällen in Höhe von 30,7 Mio. Euro durch die Werksschließung La
Baie, da das Werk in Mont Laurier diese Umsatzausfälle nur teilweise
kompensieren konnte, aber auch auf Wechselkurseffekten in Höhe von 26,4
Mio. Euro. Der neue Standort Moncure, der zum 1. August 2008 erworben
wurde, steuerte 5,0 Mio. Euro zum Umsatz bei. Pergo hat in 2008 einen
zusätzlichen Umsatzbeitrag von 18,4 Mio. Euro geleistet.
Aufgrund der weiter sehr beschränkten Spielräume für Preisanhebungen
bei den Produkten einerseits und hohen Kostensteigerungen andererseits,
ist die Ertragslage in der Region Nordamerika weiter unbefriedigend.
Substanzielle Kosteneinsparungen haben weitestgehend nur die jüngsten
Preisanstiege bei den Rohstoffkosten gedeckt. Das EBITDA erreichte mit
21,1 Mio. Euro nahezu den Wert der Vorjahresperiode (22,9 Mio. Euro).
Darin wirken negativ 1,5 Mio. Euro Restrukturierungskosten für die
Werksverlagerung La Baie sowie positiv die Einbuchung des Badwills aus
der Akquisition des Werkes in Moncure mit 5,4 Mio. Euro.
Die Pfleiderer AG erwartet, dass nach der Werksverlagerung La Baie,
die mit Investitionen in Höhe von rund 80,0 Mio. Euro verbunden sein
wird, im dritten Quartal 2009 mit der Produktion am neuen Standort in
North Carolina begonnen werden kann. Der Standort wird aufgrund nur
etwa halb so hoher Holzpreise, erheblich niedrigerer Transportkosten
und einer integrierten Fertigung von Spanplatten und MDF-Platten
signifikante Kostenvorteile aufweisen und die Profitabilität der Region
Nordamerika deutlich steigern. Der exakte Produktionsstart wird
allerdings abhängig von der Marktlage in Nordamerika sein.
Solide Finanzausstattung und Bilanzstruktur
Die Pfleiderer AG verfügt über eine solide Finanzausstattung und
Bilanzstruktur, die 2008 unter anderem durch die Begebung eines
Schuldscheindarlehens über 165,0 Millionen Euro zu günstigen
Konditionen weiter verbessert wurde. Durch den Werksaufbau in Russland
und die Akquisition des Werkes in Moncure/USA stieg die Bilanzsumme zum
30. September 2008 gegenüber Jahresende 2007 um 5,0% auf 2.017,5 Mio.
Euro. Auf der Passivseite der Bilanz wurde angesichts der
Finanzmarktkrise die kurzfristige Verschuldung zugunsten einer
langfristigen Finanzierung zurückgefahren und damit eine verlässliche
Finanzierung zu ausgesprochen günstigen Konditionen für die nächsten
Jahre gesichert. Die Nettoverschuldung stieg gegenüber dem 31. Dezember
2007 um 83,6 Mio. Euro auf 701,8 Mio. Euro. Der Verschuldungsgrad
(Gearing) lag somit bei soliden 91%. Durch den unter anderem durch die
Dividendenzahlung bedingten leichten Rückgang des Eigenkapitals
einerseits und die Bilanzverlängerung andererseits nahm die
Eigenkapitalquote von 41,7% auf 38,3% ab. Aufgrund des leicht
rückläufigen Ergebnisses lag der operative Cashflow mit 167,3 Mio. Euro
um 7,2 Mio. Euro unter dem der vergleichbaren Vorjahresperiode. Der
Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit erhöhte sich jedoch von 109,9
Mio. Euro auf 142,9 Mio. Euro.
Für das letzte Quartal 2008 wie auch für das nächste Jahr geht das
Unternehmen von keiner Verbesserung des Gesamtmarktes aus, in Teilen
wird es zu weiteren Eintrübungen kommen. Vor diesem Hintergrund hat
sich die Pfleiderer AG dazu entschieden, den Wachstumskurs vorläufig
zugunsten eines in allen Bereichen und Regionen durchzuführenden
strikten Kostenmanagements zurückstellen. So werden im laufenden
Geschäftsjahr die noch geplanten Investitionen überprüft und
gegebenenfalls angepasst. Ein erheblicher Beitrag zur Kostenreduktion
wird auch durch die weiteren Produktionsoptimierungen erwartet. Positiv
beeinflussen werden die Kostensituation darüber hinaus die inzwischen
in einigen Teilen reduzierten Rohstoffkosten. Angesichts der schwer
einzuschätzenden gesamtwirtschaftlichen Lage sind seriöse Prognosen
derzeit mit großen Unsicherheiten behaftet. Die Pfleiderer AG geht für
das zu Ende gehende Geschäftsjahr davon aus, beim Umsatz das Vorjahr zu
übertreffen und im Ergebnis im Zielkorridor 2007 zu liegen.
weitere informationen finden Sie auf www.pfleiderer.de
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